Interessanterweise sind es drei unabhängige Personengruppen, welche sich schon vor einiger Zeit Gedanken über eine Rückführung des «Bernina-Krokodils» Ge 4/4 Nr. 182 machten: Ein Ehepaar aus dem Engadin erwägte schon vor etwa vier Jahren die Rückschaffung der Lok und die Aufstellung auf deren privaten Grundstück in der Nähe der Engadin-Linie, aber weit weg von der Bernina-Linie. Das Projekt wurde aufgrund anderer Vorhaben zwischendurch «schubladisiert», jedoch vor etwa zwei Jahren wieder konkret verfolgt.
Unabhängig davon hat sich zur gleichen Zeit ein anderer Eisenbahn-Kenner mit dem gleichen Gedanken auseinander gesetzt. Die Lok wäre nun zwar in der Schweiz aufgestellt worden, in diesem Falle aber im Berner Seeland - erst recht nicht in der Nachbarschaft der Bernina-Bahn.
Nach dem Erfolg mit der Renovation des C 2012 kam aus dem «Club 1889» heraus die Idee, den öden «Samedaner Spickel» mit einer Denkmal-Lokomotive zu schmücken. Der «Samedaner Spickel» befindet sich dort, wo sich die Linien nach Celerina und Pontresina trennen - also in der Nähe der Barriere, gegenüber dem Sportzentrum Sper L'En. Heute steht dort ein kleiner Holzschuppen. Die Gemeinde Samedan war von dieser Idee angetan, und so verfolgte der «Club 1889» die Spuren des «Bernina-Krokodils». Zu diesem Zeitpunkt bekamen Puschlaver Eisenbahner Wind von dieser Idee und protestierten: Die Lok gehöre wenn schon, dann auf die Bernina-Strecke. Und weil sie schon immer in Poschiavo stationiert gewesen sei, solle sie auch dort aufgestellt werden.
Wie die Geschichte es so wollte, erfuhr das Engadiner Ehepaar von den Bestrebungen des «Club 1889» und schloss sich dem Vorhaben an. Auch die andere Privatperson konnte sich dafür begeistern und so kam es zum «Zusammenlschluss der Kräfte». Am 17. Juli 1999 wurde im Hotel Ospizio Bernina die Gruppe Poschiavo des «Club 1889» noch unter dem Namen «Associazione 182» gegründet, mit dem Ziel, das «Bernina-Krokodil» Ge 4/4 Nr. 182 wieder in die Puschlaver Heimat zurückzuführen.

Mit grossem Optimismus ging man ans Werk, inspizierte die in jämmerlichem äusseren Zustand abgestellte Lok und kontaktierte den Eigentümer erneut - dieses mal allerdings nicht dreifach!
Lange Verhandlungen prägten den Sommer und Herbst, aber am Mittwoch, 13. Oktober 1999 war es dann so weit: Funktionäre der «Associazione 182» unterzeichneten zusammen mit dem Verkäufer den Kaufvertrag für das «Bernina-Krokodil». Und sie brachten bereits einen Teil der Lokomotive zurück ins Engadin: Die Lokomotivschilder!
Das Geld sowohl für den Kauf wie auch für den Transport war bereits vorhanden. Der Haupt-Sponsor war Herr Märky, grosszügiger Hotelier des Hotels Steffani in St. Moritz. Mit seinem grosszügigen finanziellen Engagement half er massgeblich mit, die erste Hürde zu schaffen. Im Namen der Bernina-Fans vielen herzlichen Dank, Herr Märky!

Anfangs Mai 2000 wurde die Ge 4/4 Nr. 182 für die Überführung nach Poschiavo vorbereitet, damit sie während der Fahrt auch als richtige Lokomotive auf eigenen Rädern verkehren konnte. Deshalb erhielt das Fahrzeug bereits die neuen Fensterscheiben und leihweise zwei wunderschöne Scherenpantographen eines ehemaligen Triebwagen TW I, ABe 4/4. Damit sie möglichst ohne technische Probleme über die Albula- und die Bernina-Linie gezogen werden konnte, überprüfte man die Achslager und nahm die Vakuumbremse in Betrieb. Zu diesem Zweck wurden extra die Bremszylinder revidiert.


Am 19. Mai 2000 schleppte sich schliesslich ein aussergewöhnlicher Zug die Rampen der Albula empor: Geführt wurde die Komposition bis Filisur von einem Stammnetz-Krokodil der RhB. An zweiter Stelle war - natürlich mit gesenkten Stromabnehmern - das «Bernina-Krokodil» eingereiht, gefolgt von verschiedenen Gesellschaftswagen. Über die 35 ‰- Rampe bis ins Engadin leistete zusätzlich die Ge 4/6 Nr. 353 Vorspann.

Am 20. Mai wurde die Ge 4/4 Nr. 182 schliesslich von zwei alten Triebwagen über den Bernina-Pass nach Poschiavo geschoben, wo sie von vielen Eisenbahnfreunden mit einem Volksfest auf dem Bahnhofsareal empfangen wurde.

Im Jahre 2001 begann man mit den Instandstellungsarbeiten. Vorab wurden die Drehgestellen inklusiv Motoren, Getriebe, Achsen, Federn, Bremszylinder revidiert.
Jede Achse wird von einem Zwilingsmotor angetrieben. Entsprechend ist die Lokomotive mit acht Rotoren in vier Motorengehäusen ausgerüstet. Die Motoren haben während dem langen Aufenthalt in Frankreich nicht gelitten. Sie wurden durch den Fachmann Franz Galliker begutachtet und als noch funktionsfähig eingestuft. Ein kostspieliges Neuwickeln der Motoren war somit nicht notwendig. Das für diesen grossen Aufwand reservierte Revisionsbudget konnte somit eingespart werden.

Die Einzelteile wurden im Laufe des Herbstes 2001 in eine private Werkstätte in Poschiavo/Cologna transportiert, wo sich die Gruppe Poschiavo des «Club 1889» um die Aufbereitung kümmert. Einen Dank gebührt der RhB, welche die Transporte von Maschinenteile unentgeltlich ausführt.

Auf gleiche Art leisteten die Clubmitglieder ausgezeichnete Arbeit, in dem auch die Hilfsbetriebe und weiteres Zubehör instandgestellt wurden: Die Vakuumpumpe, der Kompressor, beide Motorventilatoren und das Batterie-Ladegerät stehen heute bereit und werden eingebaut, sobald der Lokkasten revidiert und verdrahtet ist.