Interessanterweise sind es drei unabhängige Personengruppen, welche
sich schon vor einiger Zeit Gedanken über eine Rückführung des
«Bernina-Krokodils» Ge 4/4 Nr. 182 machten: Ein Ehepaar aus dem
Engadin erwägte schon vor etwa vier Jahren die Rückschaffung der Lok
und die Aufstellung auf deren privaten Grundstück in der Nähe der
Engadin-Linie, aber weit weg von der Bernina-Linie. Das Projekt wurde aufgrund
anderer Vorhaben zwischendurch «schubladisiert», jedoch vor etwa zwei
Jahren wieder konkret verfolgt. Mit grossem Optimismus ging man ans Werk, inspizierte die in
jämmerlichem äusseren Zustand abgestellte Lok und kontaktierte den
Eigentümer erneut - dieses mal allerdings nicht dreifach! Anfangs Mai 2000 wurde die Ge 4/4 Nr. 182 für die Überführung
nach Poschiavo vorbereitet, damit sie während der Fahrt auch als richtige
Lokomotive auf eigenen Rädern verkehren konnte. Deshalb erhielt das
Fahrzeug bereits die neuen Fensterscheiben und leihweise zwei wunderschöne
Scherenpantographen eines ehemaligen Triebwagen TW I, ABe 4/4. Damit sie
möglichst ohne technische Probleme über die Albula- und die
Bernina-Linie gezogen werden konnte, überprüfte man die Achslager und
nahm die Vakuumbremse in Betrieb. Zu diesem Zweck wurden extra die
Bremszylinder revidiert. Am 19. Mai 2000 schleppte sich schliesslich ein aussergewöhnlicher Zug die Rampen der Albula empor: Geführt wurde die Komposition bis Filisur von einem Stammnetz-Krokodil der RhB. An zweiter Stelle war - natürlich mit gesenkten Stromabnehmern - das «Bernina-Krokodil» eingereiht, gefolgt von verschiedenen Gesellschaftswagen. Über die 35 - Rampe bis ins Engadin leistete zusätzlich die Ge 4/6 Nr. 353 Vorspann. Am 20. Mai wurde die Ge 4/4 Nr. 182 schliesslich von zwei alten Triebwagen
über den Bernina-Pass nach Poschiavo geschoben, wo sie von vielen
Eisenbahnfreunden mit einem Volksfest auf dem Bahnhofsareal empfangen wurde.
Im Jahre 2001 begann man mit den Instandstellungsarbeiten. Vorab wurden die
Drehgestellen inklusiv Motoren, Getriebe, Achsen, Federn, Bremszylinder
revidiert. Die Einzelteile wurden im Laufe des Herbstes 2001 in eine private Werkstätte in Poschiavo/Cologna transportiert, wo sich die Gruppe Poschiavo des «Club 1889» um die Aufbereitung kümmert. Einen Dank gebührt der RhB, welche die Transporte von Maschinenteile unentgeltlich ausführt. Auf gleiche Art leisteten die Clubmitglieder ausgezeichnete Arbeit, in dem
auch die Hilfsbetriebe und weiteres Zubehör instandgestellt wurden: Die
Vakuumpumpe, der Kompressor, beide Motorventilatoren und das
Batterie-Ladegerät stehen heute bereit und werden eingebaut, sobald der
Lokkasten revidiert und verdrahtet ist. |